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Das Bettelweib von Locarno

Am 208. Todestag von Heinrich von Kleist zeigte der Literatur-und Theaterkurs der J2 eine Bearbeitung dessen kurzer Novelle für die Bühne.

Sieben gekrümmte Frauen beklagen gleich zu Beginn die Tragik ihres Lebens, was im nahezu dunklen Bühnenraum auch als Monolog einer Bettlerin gehört werden konnte.

Eine Erzählerin führte daraufhin die Zuschauer mit den Worten Kleists ins alte Locarno, wo eine Bettlerin eines Abends im Schloss Zuflucht sucht und von der mitfühlenden Marquise einen Platz zugewiesen bekommt. Im Gegensatz dazu zeigt der Marchese kein Herz und fordert die kranke Frau auf, hinter dem Ofen zu verschwinden. Keuchend schleppt diese sich über den Boden und stirbt.

Die große H&M-Tüte deutet an, dass die sich durch die Tür in den Zuschauerraum hinein schleichende ärmlich gekleidete Frau die Gegenwart repräsentiert. Sie erzählt, warum sie Plastikflaschen sammeln geht und das Publikum fühlt sich an so manchen armen Menschen, dem man auf der Straße begegnet, erinnert.

Als das Schloss Jahre später verkauft werden soll, weil auch dem Marchesen und seiner Frau die Armut droht, übernachtet ein potentieller Käufer in besagtem Zimmer und wird um Mitternacht von Furcht gepackt, weil er schleppende Schritte hört und ein Röcheln, das schließlich mit dem letzten Ausatmen endet. Er verlässt überstürzt den unheimlichen Ort.
Zwei tratschende Dienerinnen bereiten das Zimmer vor, wobei offen bleibt, warum sie in Locarno schwäbisch schwätzen ;-)

In der darauffolgenden Nacht bestätigen sich die Aussagen des Ritters und ein drittes Mal überprüfen die Marquise, der Marchese gemeinsam mit dem Hund, was es mit dem Spuk auf sich hat. Als selbst der Hund vor dem vermeintlichen Gespenst, das im Schatten auftaucht, zurückweicht, bricht Panik aus und der Marchese setzt das Schloss in Brand.

Die düstere Stimmung des Geschehens wurde von den Schülerinnen in der 30-minütigen Aufführung gut vermittelt. Alle Szenen haben sie selbst verfasst und sich dabei auf das Wesentliche beschränkt. Es gelang ihnen gut, sich in die konträren Rollen, die sie teilweise verkörperten, hinein zu versetzen, so dass so manchem ein Schauer über den Rücken lief.
Die Schülerinnen entschieden sich, mit den Spenden der Zuschauer Bedürftige auf den Straßen Tübingens mit Essen und Tee zu versorgen.

Es spielten Mara B., Lotta H., Laureen K., Amelie K., Ines L., Selina R. und Lena S. unter der Leitung von Frau Ertinger.

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Kategorie: Tagebuch
Veröffentlicht am 27. November 2019